German translation

Europäisches Manifest:

Minimale Bedingungen für die Gesundheitsfürsorge von Menschen mit geistiger Behinderung

Vorwort

Menschen mit geistiger Behinderung sind Staatsbürger ihrer Heimat und haben die gleichen Rechte wie andere Staatsbürger, in ihrer Gesellschaft anerkannt zu werden, unabhängig von ihrer Behinderung.

  • Menschen mit geistiger Behinderung haben viele Fähigkeiten und Talente aber sie haben auch besondere Bedürfnisse für die sie manchmal spezielle Dienstleistungen benötigen.
  • Menschen mit geistiger Behinderung haben die gleichen Menschenrechte wie andere Staatsbürger.
  • Menschen mit geistiger Behinderung haben ein Recht zur gleichen Teilnahme  an ihrer Gesellschaft und ein Recht, an allen Entscheidungen die mit ihnen zusammenhängen mit zu entscheiden. 

Die politischen und moralischen Grundsätze für dieses Manifest sind in verschiedenen  internationalen Dokumenten erhalten: 

Die Gesundheitspflege von Menschen mit geistiger Behinderung wurde schon lange als zweitklassig und minderwertig erkannt. Menschen mit geistiger Behinderung haben einen Bedarf zur Gesundheitsversorgung wie jeder andere Mensch , aber haben manchmal auch spezifische Gesundheitsprobleme die mit ihrer Behinderung im Zusammenhang stehen. Es ist unbedingt wichtig dass die physischen und geistigen Erkrankungen – an denen  ein Mensch mit geistiger Behinderung auch leiden kann – erkannt und diagnostiziert werden und, dass dann die entsprechend richtige Therapie angewendet werden kann.
Die holländische Gesellschaft für Ärzte, die auf die Gesundheitsbetreuung von Menschen mit geistiger Behinderung spezialisiert sind (NVAVG), und die Europäische Organisation von Ärzten die geistig behinderte Menschen betreuen (MAMH) haben sich mit der Erasmus Universität in Rotterdam zusammen- gesetzt und ein  Manifest entworfen. Dieses Manifest wurde dann in einer Konferenz in Rotterdam in November 2003 von Vertretern aus verschiedenen Ländern und verschiedenen Berufen und Funktionen (Ärzte, andere medizinische Berufsgruppen, Juristen, Eltern und Betreuer von Menschen mit geistiger Behinderung, freiwillige Organisationen die sich mit geistig behinderten Menschen befassen)  ausgearbeitet und in die endgültige Fassung gebracht.  

Das Manifest

 Die folgenden Kriterien sollen allgemein anerkannt und akzeptiert werden als minimale Bedingung für die Gesundheitsfürsorge von Menschen mit geistiger Behinderung. 

  1. Optimales Vorhandensein und Zugänglichkeit zum allgemeinem Gesundheitswesen  – wobei Ärzte für Allgemeinmedizin / Hausärzte eine zentrale Rolle spielen sollen. Das bedeutet, dass Menschen mit geistiger Behinderung
    • das allgemeine Gesundheitswesen benützen.
    • mehr Zeit für ihre Konsultation in der Arztpraxis oder bei Hausbesuchen bekommen.
    • Hilfe für die Verbesserung der Kommunikation erhalten
    • eine präventive Gesundheitsbetreuung bekommen.
    • keine extra finanzielle, physische oder gesetzliche Barriere zur Gesundheitsbetreuung erfahren.
    • an Vorsorge – Programmen teilnehmen wie die Allgemeinbevölkerung.
    • in einer gesunden Lebensführung unterstützt werden.
    • verständliche Information erhalten, über Gesundheit und  Gesundheitsförderung, die auch ihrer Familie und Betreuern in Wohnheimen zur Verfügung stehen.
    • Gesundheitspflege erhalten, die unter Vertretern der verschiedenen Heilberufe koordiniert wurde.
  2. Alle medizinischen Berufsgruppen ( besonders Internisten, Psychiater, Zahnärzte, Krankenpfleger, und  andere) besitzen Kompetenz in der  Versorgung  geistig behinderter Menschen und in den spezifischeren, insbesondere auch mit der häufig bestehenden  Komorbidität verbundenen  Gesundheitsproblemen.  
  • Mitglieder aller Heilberufe müssen sich verpflichten,  eine minimale Kompetenz in der medizinischen Versorgung von Menschen mit geistiger Behinderung zu erwerben.
  • Sie müssen erkennen, dass nicht alle Gesundheitsprobleme von der Behinderung  verursacht werden.
  • Alle Aus-, Fort- und Weiterbildungsprogramme in den Gesundheitsberufen werden auch Behindertenmedizin beinhalten einschließlich Wissen über die häufigsten Ursachen, die häufigsten Syndrome und die mit diesen zusammenhängenden Gesundheitsprobleme, Besonderheiten der Kommunikation sowie gesetzliche und ethische Aspekte.
  • Das Erlernen einer positiven Einstellung und eines verständlichen und angemessenen  Kommunikationsstiles ist genau so wichtig wie die klinische Ausbildung und muss deshalb im Ausbildungsprogramm enthalten sein.
  • Richtlinien für spezifische Gesundheitsprobleme werden im Internet, auf CD Rom oder in anderer Form zu erhalten sein.
  • Ärzte der Allgemeinmedizin können von spezialisierten Kollegen ohne Schwierigkeiten beraten werden, ohne extra finanzielle, praktische oder gesetzliche Hindernisse. 
  1. Mitglieder verschiedener ärztlicher und nicht-ärztlicher Berufsgruppen in den Heilberufen (Internisten, Psychiater, Zahnärzte, Krankenpfleger und andere) die in der Behandlung von Menschen mit geistiger Behinderung spezialisiert sind, sollen die Allgemeinmediziner unterstützen. Diese Spezialisten können Ratschläge geben, spezifische medizinische Probleme behandeln, oder die medizinische Versorgung übernehmen.  
  • Fort- und Weiterbildungsprogramme müssen vorhanden sein für diejenigen Professionellen, die sich weiterbilden möchten, speziell in der Gesundheitsversorgung von Menschen mit geistiger Behinderung.
  • Diese Spezialisten suchen Verbindungen mit anderen Spezialisten um ihre eigenen Kenntnisse zu verbessern. Dies kann durch persönlichen Kontakt erreicht werden oder durch die Schaffung von (virtuellen) Fachzentren.
  • Wissenschaftliche Tätigkeit und Forschung im Gebiet der Gesundheit von geistig behinderten Menschen wird in der Zusammenarbeit zwischen akademischen Zentren und akademischen Lehrstühlen in der Behindertenmedizin angeregt. Durch diese Zusammenarbeit werden Forschungsarbeiten geschaffen, stimuliert und koordiniert  
  1. Die Gesundheitsversorgung von Menschen mit geistiger Behinderung   benötigt eine multidisziplinäre Haltung 
  • Spezifische Untersuchungen und Therapien müssen zwischen den verschiedenen Berufsgruppen und Fachrichtungen koordiniert werden (z.B. Seh- und Hörbehinderung, psychiatrische Versorgung, die Betreuung von Menschen mit mehrfacher und komplexer Behinderung,  geriatrische Behandlung und Rehabilitation).
  • eine spezialisierte Weiterbildung für Krankenpfleger und andere Berufsgruppen wird angeregt. Unter anderem soll dieses Training lehren, wie man  Menschen mit geistiger Behinderung und (zum Beispiel) Behinderung der Sinnesorgane, Autismus, Epilepsie, psychischen- oder Verhaltensstörungen und forensischen Problemen sowie Menschen mit mehrfacher und komplexer Behinderung, Schluck- und Essproblemen und Problemen die im Alter auftreten pflegt und behandelt. 
  1. Die Gesundheitsvorsorge für Menschen mit geistiger Behinderung muß  praeventiv angegangen werden. 
  • Zur Teilnahme an nationalen Reihenuntersuchungen soll aufgefordert werden
  • Untersuchungen von Seh- und Hörstörungen und Untersuchungen im Hinblick auf anderen häufige Gesundheitsprobleme sollen routinemäßig angeboten werden
  • Programme für die Überwachung  von allgemeinen und spezifischen Gesundheitsproblemen sollen entwickelt und in die Tat umgesetzt werden und in der Entwicklung von Gesundheitsindikatoren sollen Menschen mit geistiger Behinderung besonders berücksichtigt werden.
  • Die Verantwortung für somatische Untersuchungen muss klar zugewiesen werden (z.B. Hausarzt, Internist, das öffentliche Gesundheitswesen oder spezialisierte Ärzte).
  • Menschen mit geistiger Behinderung und ihre Familien haben ein Recht auf Untersuchungen, mit denen die Ursache der Behinderung herausgefunden werden kann.

 Dr. Frans Scholte, s Heeren Loo Midden-Nederland, Apeldoorn, Niederland (für Korrespondenz)

Dr Sylvia Carpenter, MAMH Präsident,PhoenixHouse,Brentry Lane,BristolBS10 6NB,England

Dr Marijke Meijer, Erasmus Medical Zentrum, Rotterdam, Niederland

Comments are closed.